Freihandel und die Probleme der europäischen Währungsunion

facts-titleDie Währungsunion stellt die höchste Form einer Freihandelskooperation dar. Politisch unabhängige Staaten führen eine gemeinsame Währung ein mit dem Zweck, den internationalen Handel zwischen den einzelnen Staaten der Währungsunion zu vereinfachen. Wechselkursrisiken und -kosten entfallen, der Preisvergleich über die Grenzen hinweg gestaltet sich wesentlich einfacher, Verwaltungskosten der Unternehmen reduzieren sich, wenn bei Ex- bzw. Importgeschäften nur mit einer einzigen Währung verrechnet werden kann. Die Europäische Währungsunion ist wohl das bekannteste Beispiel einer solchen Union.

Die Europäische Währungsunion und ihre Probleme

Die Europäische Währungsunion hatte in den vergangenen Jahren mit einigen Problemen und Krisen zu kämpfen. Eine Vielzahl der Probleme wurde durch die unterschiedliche Wirtschaftskraft der einzelnen Mitgliedsstaaten verursacht. Als oft genanntes Beispiel werden Deutschland und Griechenland genannt. Deutschland ist die „Wirtschaftslokomotive“ Europas, wirtschaftlich stark, innovativ und sehr exportorientiert. Die in Deutschland hergestellten Produkte sind aufgrund ihrer hohen Qualität weltweit konkurrenzfähig. Deutschland hatte daher in der Vergangenheit kein Interesse daran, seine Produkte durch Währungsabwertungen für das Ausland günstiger zu machen – sie verkauften sich auch so.

Anders die Situation in Griechenland. Hier werden nur sehr wenige Produkte erzeugt, die weltweit konkurrenzfähig sind und im Ausland eine starke Nachfrage haben. Die einfachste Möglichkeit, die ausländische Nachfrage zu steigern, ist eine Währungsabwertung. Damit werden mit der eigenen Währung auch die inländischen Produkte und Dienstleistungen billiger, ausländische hingegen teurer. Das bedeutet, dass eine Währungsabwertung durch die Verteuerung ausländischer Produkte auch eine Auswirkung auf die Nachfrage inländischer Produkte im Inland hat. Die griechische Wirtschaftspolitik hatte daher in der Vergangenheit sehr wohl ein Interesse daran, die eigene Währung abzuwerten.

Für die europäische Währungsunion bedeutet das, dass entweder die wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland stark aufholen muss (was zurzeit nur mäßig funktioniert), oder Transferzahlungen die Ungleichgewichte ausgleichen (ähnlich wie der Ausgleich zwischen den deutschen Bundesländern), was jedoch politisch nur sehr schwierig durchführbar erscheint. Die dritte Möglichkeit ist eine Kostenreduktion der griechischen Produkte. Da der Lohnanteil einen Großteil der Produktionskosten ausmacht, wurden in den vergangenen Jahren die Löhne in Griechenland massiv reduziert. Starke soziale Auseinandersetzungen und Härtefälle waren die Folge.

Ob die Währungsunion in ihrer jetzigen Form auch in Zukunft Bestand haben wird, werden die folgenden Jahre zeigen.